Die Geschichte einer Bäckerei im Siebengebirge
ir, die Bäckerei Blesgen werden in diesem Jahr 125 Jahre alt. Das
möchten wir mit Ihnen und allen unseren Kunden, Nachbarn und
Geschäftsfreunden feiern, weil wir uns natürlich über
jeden Anlaß für ein Fest freuen. Aber hier geht es um
etwas mehr. Und darauf möchten wir Sie aufmerksam machen:
Als ich diese Chronik zusammen stellte, blätterte
ich in alten Unterlagen, Briefen und Fotoalben. Dabei wurde mir
noch einmal klar, wie sehr sich die Aufgabe eines Bäckermeisters
und seiner Mitarbeiter geändert hat. Die Arbeit war damals
eben, wie das Leben überhaupt, viel härter. Und trotzdem,
bei allem Wandel und aller Veränderung ist manches wichtige
bis heute geblieben. Dazu gehören die vielen Rezepte, die mein
Urgroßvater mitgebracht hatte, dazu gehören aber auch
die Freude am Handwerk, der Stolz auf unsere Backwaren und darauf,
daß wir eine echte Bäckerfamilie geblieben sind. Die
Zeit hat uns viel Gutes gebracht aber andersherum haben wir die
guten Dinge in all der Zeit gepflegt und von Generation zu Generation
überliefert.
Besonders schön ist es immer, wenn gute Arbeit
bemerkt und gelobt wird. Wir sind schon ein bißchen Stolz
auf unsere Sammlung von Anerkennung, die wir im Laufe der Zeit bekommen
haben. Eine kleine Kuriosität aus unserer Sammlung haben wir
noch mal abgedruckt. Mein Vater hatte sich damals darüber ganz
besonders gefreut.
Anna & Jakob Blesgen
 |
Es begann 1873 in Ittenbach
Mein Urgroßvater Jakob Blesgen kam am 13. November
1851 in Ittenbach zur Welt. Er war Bäcker und zog als junger
Geselle, wie das damals so üblich war, durch das Rheinland.
Während dieser Zeit arbeitete er in so manchem Meisterbetrieb,
wo er neues kennenlernen und sein Wissen vertiefen konnte.
Gut gerüstet mit reichlich Erfahrung und einem
neuen Meisterbrief eröffnete er 1873 in seinem Geburtsort zusammen
mit seiner späteren Ehefrau Anna seine Bäckerei.
Rezepturen genau wie vor 125 Jahren
Vieles, was mein Urgroßvater Jakob während
seiner Lehr- und Wanderjahre kennengelernt hatte, stellte er nun
selber her.
Die besten Rezepturen sind währen der letzten
125 Jahren fast unverändert angewendet worden. So backen wir
noch folgende Gebäcksorten genauso, wie mein Urgroßvater
vor mehr als 125 Jahren: Den Rheinischer Blatz mit und ohne Rosinen,
die Teilchen und Rosinenbrötchen, das Weißbrot und die
Brötchen, sowie unser Graubrot, Roggenbrot und nicht zuletzt
das Schwarzbrot (das Jakob Blesgen Brot) werden seit 125 Jahren
nach der gleichen Rezeptur gebacken.
Elisabeth & Johann Blesgen
 |
Die zweite Generation
Seit 1888 befindet sich die Bäckerei Blesgen
in der Kirchstraße 5, wo ich mit meiner Familie auch wohne.
Wie mein Urgroßvater so wurde auch mein Opa,
Johann Blesgen, Bäcker und übernahm nach seinen Lehr-
und Wanderjahren die Bäckerei im Jahre 1923.
Johann Blesgen galt im Ort als der stets gut gelaunte
»Stabil«. Während des Krieges durfte er seinen
Lieferwagen behalten, da dieser im Ort für Notfälle bereit
zu halten war. Am 19. Mai 1943 trug er gerade die Fahne bei der
Ittenbacher Hagelprozession, als er für einen »Notfall«
gerufen wurde.
Unser Geschäft im Jahre 1935
 |
Aenne Lüneburg war hoch schwanger und mußte
ins nahegelegene Oberpleiser Krankenhaus gefahren werden. Noch am
gleichen Tag gebar sie die Zwillinge Dorothe und Ursula. Bärbel
Bollig kam gar auf der Fahrt ins Krankenhaus in unserem P4 zur Welt.
Unser »legendärer«
P4 in den 40er Jahren
 |
Der alte Backofen, um 1933
 |
Auch nach dem Krieg ließ sich Johann seine
gute Laune nicht verderben und sorgte auch bei vielen anderen für
etwas Freude, indem er immer ihnen oft mehr Brot gab, als es die
Brotmarken der Kunden zuließen.
Unsere Backstube als Treffpunkt
Maria & Alex Blesgen
 |
Im Jahre 1964 übernahm mein Vater Alex Blesgen
die Bäckerei. Er hat wie kein anderer vor ihm die Bäckerei
entwickelt. Schon bald nach der Übernahme baute er zunächst
einen neuen Ofen und später dann einen völlig neuen, modernen
Laden.
Unsere Backstube im Jahre 1973
 |
Zu dieser Zeit, in der sich Ittenbach sehr stark
entwickelt hat, galt die Backstube auch als Treffpunkt für
alle aus dem Dorf. Hier wurden Neuigkeiten ausgetauscht, politisiert
und auch mal gesellig beisammengesessen. Dieser Treffpunkt war besonders
beliebt im Winter, da die Arbeiter die warme Backstube und das frische
Backwerk zu schätzen wußten.
Neue Ideen aus der Schweiz und aus Berlin
Frank Blesgen
 |
Als 1995 mein Vater die Bäckerei an mich übergab,
hatte ich mich bereits gut auf meine Aufgabe vorbereitet. Seit ich
denken kann stand es für mich fest, daß ich Bäcker
werden würde. Und das bin ich dann auch geworden – mit Leib
und Seele. Ein weiteres großes Interesse galt allerdings auch
der Konditorei und wie schon mein Urgroßvater, Jakob Blesgen,
seine Erfahrungen in der Fremde machte, lernte auch ich manchen
Betrieb im Rheinland, in Berlin und auch in der Schweiz, die Konditorkunst
kennen. Dabei habe ich viel neues kennengelernt.
Unser neuer Ofen (1998)
 |
Und das beste habe ich dann – so war es auch beabsichtigt
– mit nach Ittenbach gebracht: wie zum Beispiel die Frutta Mista,
unsere ganz besondere Art Hochzeitstorten zu machen, die leckeren
Mousse Törtchen und viele kleine Gebäckspezialitäten.
Gute Kollegen
Unsere Mitarbeiter
 |
Neben der Inhaberfamilie sind es auch die Mitarbeiter,
die einen Betrieb wie den unseren prägen. Da gibt es in jeder
Generation den ein oder anderen, ohne den man sich die Bäckerei
Blesgen nicht hätte vorstellen können.
»De Fleut«
 |
Anselm Bachem, Lehrling in den 30er Jahren
 |
Da war zum Beispiel Karl Schmitz. Weil er immer
auch bei der Arbeit pfiff, trug er den Spitznamen »de
Fleut«. Für zwei Generationen gehörte er fast zur
Familie. Anselm Bachem lernte bei uns das Bäckerhandwerk.
Edeltrud Thomas
 |
Seit fast 30 Jahren ist Edeltrud Thomas aus unserem
Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Besonders Maria Blesgen stand
sie immer so selbstverständlich zur Seite, als wäre es
ihre Bäckerei.
Horst Neumann
 |
Bäckermeister Horst Neumann arbeitet seit 1971
bei uns. Er war es auch, der in Frank Blesgen das Interesse für
die Konditorei geweckt hat.
|